Moral, Ethik & Recht

Ist Selbstmord moralisch vertretbar?

Selbstmord

Antwort: Ja - wenn es keine Möglichkeit mehr gibt ein Leben zu leben, daß zumindest ein Mindestmaß an Lebenswertem bietet.

Begründung: Der Tod ist, wie die Geburt, ein Teil des menschlichen Lebens. Wenn man das Selbst­bestimmungs­recht des Einzelnen ernst nimmt, muß man jedem die letzte Entscheidung über seinen eigenen Tod zubilligen. In Extrem­situationen kann das bedeuten, daß ein Tod­kranker selbst nicht mehr in der Lage ist seinen eigenen Tod herbeizuführen. In diesen Situationen kann auch eine Tötung auf Ver­langen moralisch gerecht­fertigt sein.
Foetus
Photo by Anna Shvets from Pexels
Allerdings muß der Wunsch nach Selbst­tötung wirklich auf dem freien, unbe­ein­flussten Willen des Tod­kranken beruhen. Es darf keinesfalls gebilligt werden, daß der Lebensmüde dem (vermuteten) Drängen von Angehörigen nachgibt oder die Selbst­tötung wünscht, weil er glaubt, ihnen damit einen Gefallen zu tun.
Moralisch ist es auch nicht zu rechtfertigen, wenn ein Mensch sein Leben wegwirft, weil er, oder sie, glaubt in einer ausweglosen sozialen, wirtschaftlichen oder psychischen Lage zu sein. Schwere Lebenskrisen, Krankheiten oder zwischen­menschliche Probleme gehören zu den Herausforderungen, die jeder Mensch im Leben bewältigen muss.

Ist Abtreibung moralisch vertretbar?

Abtreibung

Antwort: Ja - aber nur in ganz besonderen Fällen:
1. Bei einer schweren, genetischen Erkrankung des Foetus.
2. Bei einer konkreten Gefahr für das Leben der Mutter.
3. Bei einer Vergewaltigung.

Foetus
Typische Mimik des Ungeborenen beim Musikhören: Mund auf und Zunge raus.
© Marquès Institut
Begründung: Eine Abtreibung ist (in Österreich) bis drei Monate nach Be­ginn der Schwan­ger­schaft straffrei. In Deutschland besteht sogar Straf­freiheit für die Schwangere bis zur 22 Schwanger­schafts­woche. Das heißt aber nicht, daß eine Abtreibung auch moralisch gerechtfertigt wäre. Grundsätzlich ist jede Abtreibung eine Tötung mensch­lichen Lebens, die nicht leicht­fertig vor­ge­nom­men werden darf.
Da die werdende Mutter das Kind in sich trägt und mit ihrem Körper am Leben erhält, muß letztlich sie die schwere Entscheidung treffen ein menschliches Leben auszulöschen oder aber es auszutragen. Leider werden aber viele Frauen von ihrem Partner, von Eltern, Arbeitgebern, Ärzten, Zuhältern oder Vergewaltigern zur Abtreibung gedrängt, genötigt oder sogar gezwungen - aus vielfältigsten Gründen, bis hin zur Ver­tuschung einer Straftat.
Es kommt auch vor, daß Abtreibung einfach als Mittel der Familienplanung angesehen wird. Dies ist, so finde ich, moralisch immer verwerflich - ganz besonders in entwickelten Ländern, in denen effektive Mittel zur Familien­planung leicht verfügbar sind, die eine Zeugung verhindern.

Soll man sein Leben genießen?

glücklich

Antwort: Warum nicht? Eine hedonistische Lebenseinstellung ist genauso gut oder schlecht wie jede andere. Der Einzelne muß entscheiden, ob er Vergnügungen der verschiedensten Art hin und wieder genießt, regelmäßig sucht oder sogar zu seinem Lebensinhalt macht.

Begründung: Es hat immer Menschen gegeben, die dem Streben nach Vergnügen einen hohen Stellenwert in ihrem Leben gegeben haben. Mit wachsendem Wohlstand und zunehmender Entlastung von Arbeit durch Automation und Digitalisierung, werden in Zukunft sogar noch mehr Menschen Vergnügen zum Lebensinhalt machen.
Genuss Allerdings kann Lust auch zur Last werden. Wer zum Sklaven seiner Vergnügungen wird, beraubt sich selbst der Freiheit andere Aspekte des Lebens kennen zu lernen. Adrenalin-Junkies, Sex-Besessene, Workoholics, Spielsüchtige, Säufer, Drogensüchtige, Body-Modifizierer, Fress- und Konsum-Süchtige und viele andere Formen des Suchtverhaltens geben Zeugnis von der Vielfalt menschlicher Vergnügungen, die zu schweren psychischen und körperlichen Belastungen und Schäden führen können.